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Stelzhamer-Erstdrucken


Hans Dieter Mairinger

Neue Mundart

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Hans Dieter Mairinger,
geboren 1943.
Soziologe und Pädagoge.
Wohnt in St. Georgen/Gusen und Linz/D..

Zahlreiche Lesungen im In- und Ausland, sowie Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen.

Veröffentlichte zahlreiche Bücher.


Weitere Artikel:
Kons.Dir Karlheinz Sandner: Die Dichterinnen und Dichter des Leopold-Wandl-Wettbewerbes
Joschi Anzinger: warum dialekt
Dr. Elisabeth Schiffkorn:
Das Ipftaler Mundart-wörterbuch
/
Die Dialekte sterben nicht aus
Hans Dieter Mairinger: Neue Mundart / Wohl dem der einen Heimat hat
Beispiel für angewandte Umgangssprache
Kons.Dir.Karlheinz Sandner: Artikel über Prof. Leopold Wandl
Bayer. Staatsministerin für Unterricht u. Kultus, Monika Hohlmeier: Über Pflege und Erhalt der in Bayern gesprochenen Mundarten (24.1.2001)"
"Dialekt keine Sprachform zweiter Klasse (25.1. 2001)"


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Artikel zu Franz Stelzhamer


Was immer man unter neuer Mundart versteht, sie unterscheidet sich von der so genannten traditionellen Mundart durch verschiedene stilistische und inhaltliche Merkmale. Dazu gehören einmal das vielfache Abgehen von Strophe und Reim zugunsten von freien Rhythmen. Außerdem tendiert die neue Mundart eher zur phonetischen Schreibweise, was ein Abgehen von der Angleichung an die Hochsprache bedeutet. Und letztlich setzt die Mundart auch andere inhaltliche Schwerpunkte wie die traditionelle Mundart. Es geht in der neuen Mundart eher um gesellschafts- und umweltkritische Aussagen, um subjektive Befindlichkeiten und sprachkritische sowie sprachspielerische Aspekte.
Dabei vermischen sich durchaus traditionelle Inhalte mit modernen stilistischen Formen und umgekehrt. Es ist auch anzumerken, dass neue Mundart nicht besser bedeutet und traditionelle nicht schlechter. In beiden Bereichen gibt es Qualität und Dilettantismus, und beide Bereiche haben nebeneinander ihre Berechtigung. Die Qualität sowohl der neuen als auch der tradtionellen Mundart besteht in der präzisen Sprache, in der Übereinstimmung von Form und Inhalt und in der Originalität von Inhalt und Form. Dabei zeichnet sich speziell die neue Mundart duch Experimentierfreude, aktuelle Themen und unkonventionelle Schreibweise aus.
Die neue Mundart ist wie ein Sauerteig, der die traditionelle Mundartszene belebt und aktiviert und die Mundart auch der jüngeren Generation erschließen kann.
Die neue Mundart ist ein Zeichen dafür, dass die Mundart lebt und sich weiterentwickelt. Demnach können qualititätsvolle Arbeiten in diesem Bereich gar nicht intensiv genug gefördert werden.
Wie in allen künstlerischen Bereichen werden vielfach Innovationen, neue Strömungen, Abweichungen vom traditionellen Weg zuerst einmal eher skeptisch betrachtet.
Das ist durchaus auch in der neuen Mundart so.
Dennoch sollten sich Autoren aus diesem Bereich nicht abschrecken lassen, neue Wege zu gehen, auch wenn das oft mühsam und wenig erfolgversprechend ist. Nur duch die Beharrlichkeit von Neueren in allen Bereichen der Kunst können Entwicklungen initiiert und veraltete und verkrustete Formen überwunden werden.
Eine Kunst, die stagniert, verrät ihre wesentlichen Funktionen, nämlich Innovationsfreude, Zeitgemäßheit und Zukunftsorientierung.
Nur eine Kunst, die auf Veränderungen in Zeit und Gesellschaft reagiert, hat eine Berechtigung. Da macht auch die Mundart keine Ausnahme.
Die Mundart als literarisches Medium wird so lange lebensfähig und tragfähig sein, solange sie nicht auf dem Erreichten stehen bleibt, sondern auf Strömungen der Zeit reagiert und somit eine Reflexionsebene für die Menschen dieser Zeit darstellt.
Die neue Mundart hat damit die Möglichkeit, gleichwertig neben anderen Formen der Kunst im aktuellen künstlerischen Diskurs ihre angemessene, durchaus wichtige Rolle zu spielen.



Ein Artikel von Hans Dieter Mairinger: Neue Mundart